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Dienstag, 31. Juli 2007

Neue Ökonomie: Modelle (2)

MODELLE zur Abbildung von Wirtschaftsvorgängen in der Geldwirtschaft (2)

Besitz von Geld

Liquiditätswert

Geld kann im Vergleich zu einer beliebigen Ware ohne Kosten transportiert und bei nächster oder günstiger Gelegenheit (Schnäppchensituation) gegen eine Leistung entsprechend dem Tauschwert des Geldes eingetauscht werden (Schlagfertigkeit des Geldes). Bei einem Warentausch ohne Geld wäre das alles viel schwieriger. Geld macht den Waren- bzw. Leistungsaustausch zwischen Wirtschaftsteilnehmern flüssiger. (Liquidität). Diese Werte – Schlagfertigkeit , geringe Transportkosten (Allokationskosten) - werden als Liquiditätswert des Geldes bezeichnet, den das Geld durch gemeinsame Übereinkunft der Wirtschaftsteilnehmer und durch die Aufsicht des Staates erhält.

Es ist also ein Wert der durch gemeinschaftliche Anstrengung unter Beachtung gemeinschaftlicher Regeln entsteht. Es ist kein privater durch die Leistung eines Einzelnen entstandener Wert. Während der Zirkulation macht er sich nicht bemerkbar, sondern erst dann, wenn man Geld zurückhält, wenn man spart.

Wer Geld spart, also das Zirkulationsmittel zurückhält, weil er es z.B. wegen Vorsorge in den Sparstrumpf steckt oder spekulativ liquide hält (Liquiditätspräferenz), stört den Zirkulationsprozess und damit den Wirtschaftsprozess.

Diese Zurückhaltungsmöglichkeit zeichnet Geld gegenüber anderen Waren besonders aus. Es zeigt hier neben der Funktion als Zirkulationsmittel eine zweite Funktion, nämlich als Aufbewahrungsmittel, Vermögenswert.

Machtverhältnisse

Mit der Möglichkeit der Zurückhaltung bzw. Sparhaltung begründen sich aber auch Machtverhältnisse, und zwar in einer Geldwirtschaft anders als in einer reinen Warentauschwirtschaft.

In einer Warentauschwirtschaft kann auf zwei Arten gespart weder, indem man keine Waren abnimmt oder sie nicht für andere produziert und selbst verbraucht. Der Sparer fällt damit aus dem Wirtschaftsprozess heraus.

In einer Geldwirtschaft kann nur auf eine Art gespart werden, an der Abnahme von Waren bzw. Leistungen (Käuferposition). Benötigt der Käufer diese Ware bzw. Leistung nicht, weil er z.B. genug besitzt, befindet er sich gegenüber dem Produzenten - dem Verkäufer - in einer Machtposition, weil diesem Geld fehlt, um z.B. Schulden zu bezahlen oder Waren zu erwerben, deren er dringend bedarf. Der Produzent erhält nur dann vom Geldbesitzer Geld, wenn dieser seine produzierte Leistungen auch abnimmt.(s. 1)

Allgemein ausgedrückt haben in der Geldgesellschaft die Besitzenden ein besonderes Machtverhältnis gegenüber den Nichtbesitzenden. In dieser Situation befinden sich manche Unternehmer wie die Lohnabhängigen in einer ähnlichen Lage, für diese allerdings weniger dramatisch, als für die Lohnabhängigen. Die Unternehmer müssen ihre Ware absetzen, um u.U. Geld zur Kreditzurückzahlung zu erhalten, die Lohnabhängigen können nur ihre Arbeitskraft anbieten, um Geld für ihren Lebensunterhalt zu verdienen. (s. 1). Trotz seiner Verschuldung besitzt der Unternehmer immerhin noch die Produktionsmittel, die ihn in die Lage versetzen, leistungsloses Einkommen zu erzielen (Mehrwert/Profit) und er kann die Kapitalkosten über die Preise den Konsumenten aufbürden.

Zins als Allokationsmittel

Welche Möglichkeiten gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, um ein Erliegen des Wirtschaftsprozesses zu verhindern?

Verwirklicht ist ein Belohnungssystem: Der Zins.

Der Zins ist der Preis dafür, dass der Geldbesitzer sein Geld an einen Schuldner verborgt, der es in der Regel durch Konsum oder Investition in die Zirkulation leitet. Er wird durch den Zins belohnt, weil er die Liquidität des Geldes (Liquiditätswert) und damit seine Machtposition aufgibt. Der Liquidäswert, den der Geldbesitzer dem Geld beimisst, beträgt nach heutigen Erfahrungen im Durchschnitt etwa 2% des verborgten Geldbetrages. Darunter wird der Zins nicht sinken.

Ist der Kredit plus Zinsen getilgt, hat der Gläubiger mehr an Leistung bzw. Wert zurück erhalten, als er selbst für das geborgte Geld aufgewandt hat, mindestens den Liquiditätswert (s. 2). Er hat leistungslos mehr Geld erhalten, Mehrwert. Der angeeignete Liquiditätswert ist nicht durch seine Leistung entstanden, sondern durch die der Allgemeinheit. Diese Forderung nach Mehrwert muss der Schuldner als Produzent in Form einer Mehrleistung erbringen, es sei denn er kann diese Forderungen weiterreichen – der Zwang zum wirtschaftlichen Wachstum ist so vorprogrammiert. Letztlich werden die Forderungen dort hängen bleiben, wo die wirtschaftlich meist unterlegende Machtposition ist, weil dort der Konsum existentiell notwendig ist, beim Lohnabhängigen. Dieser besitzt nichts anderes als seine Arbeitskraft (s.o.). Der renommierte, bereits früh verstorbene Verfassungsrechtler D. Suhr nannte dies in seiner Untersuchung über unser Geldsystem (D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988) die „Asymmetrie von Verkauf und Kauf“(s. 1)

Die Möglichkeit, Geld zurückzuhalten und Zins zu fordern, ist dort am größten, wo aufgrund von Besitz kaum noch Konsumbedarf ist. Hier ist man auch in der Lage, dass Geld so lange zurückzuhalten oder anderweitig einzusetzen (Spekulation, Transfer in den Finanzmarkt), bis der Zins den Liquiditätswert wieder überschritten hat.

Dieses Prinzip aus Geld mehr Geld zu machen stand schon am Anfang des Kapitalismus. Es waren die Händler die so verfuhren und heute noch verfahren: Mit Geld kauften sie Waren unabhängig von ihrem eigenen Warenbedürfnis, um diese wieder mit Gewinn zu verkaufen:

G ---W--- G + MG. Historisch gesehen, sammelten sich zunächst dadurch viele Waren (Warenhäuser) und schließlich bei Perfektionierung des Geldsystems Geld (Geldkapital) in privater Hand an. Dies war Voraussetzung für die Bildung von Manufakturen und dann für Unternehmen allgemein. Diese Haltung G – W –G + MG hat den ganzen Wirtschaftsprozess bestimmt und bestimmt ihn noch heute. Sie wurde und wird über die notwendige Vergabe von zinsbedingten Krediten an Unternehmen zur besonderen Notwendigkeit der gewinnorientierten Produktion.

Durch die Möglichkeit des Geldbesitzers Zins, einzunehmen, wird seine Machtposition immer stärker, wächst sein Geldguthaben und damit seine Forderung nach Geld, und zwar im Prinzip exponentiell, auf jeden Fall stärker als linear. Die Position des Schuldners wird immer schwächer und damit seine Fähigkeit zur Schuldentilgung, bis er schließlich Konkurs anmelden muss. Der Zusammenbruch von verschuldeten Unternehmen – die wirtschaftliche Krise – verhindert insgesamt aber, dass die Nachfrage (die Knappheit) nach dem Zirkulationsmittel Geld abnimmt, da ja die Nachfrage nach Leistungen und Waren nicht verschwindet, eher noch zunimmt. Die Möglichkeit der Zinsforderung bleibt durch dies Knappheit erhalten. (s. 3)

Zusammenfassend kann gesagt werden: das Zinssystem in der Geldwirtschaft sorgt dafür, dass das Geld – der Vermittler des Leistungsaustausches – dort hinfließt und konzentriert wird, wo kein Bedarf ist - zu den konsumgesättigten Besitzenden – und dort in zunehmenden Maße fehlt, wo es zum Leistungsaustausch benötigt wird – die Masse der Nichtbesitzenden (s. 4). Je älter die Volkswirtschaft wird, desto dramatischer wird diese Situation. Die Geldguthaben, d.h. die Forderungen nach Geld werden immer größer und konzentrieren sich in den Händen Weniger und der Schuldenberg der Produzenten wird immer größer.

Würden die Geldguthabenbesitzer ihre Forderungen in Leistungen umtauschen, könnte der Schuldenberg abgebaut werden, weil es ja genug Leistungswillige (Arbeitslose) gibt. Die Wenigen haben aber keinen Bedarf nach Leistungen, weil sie schon alles besitzen. Von 1950 bis 2001 stieg das Geldvermögen in der BRD von ca. 30 Milliarden Euro auf 6 Billionen Euro nominal bzw. 1,2 Billionen real. Dieses Geldvermögen ist ausgesprochen unsymmetrisch. Laut ARD Tagesschau vom 02.03.2005 besaßen 20% der Bevölkerung 2/3 des Geldvermögens.. Im Jahre 2001 standen dem Geldvermögen

6 Billionen Euro Schulden gegenüber, die sich zu ca. 70% auf die Unternehmen, zu 20 % auf den Staat und zu 5 % auf Private verteilen (s. 5 u. 6).

Das ist die Erklärung dafür, dass heute einem Heer von Leistungsanbietern – 5 Millionen Arbeitslose – ein großer Bedarf an Leistungen im privaten und staatlichen Bereich gegenübersteht, ohne dass die beiden Seiten zusammenkommen, weil Geld von denen gefordert wird, die es nicht nötig haben und es dort fehlt, wo es nötig ist. (s. 7)

Eine wichtige Ursache für diese Fehlleitung liegt in dem Belohnungssystem der Zinsnahme.

Welche andere Möglichkeit gibt es, Geld wieder in Zirkulation zu bringen, damit es seine eigentlich wirtschaftlich bedeutende Funktion, der Vermittlung zwischen Bedarf und Leistung ausüben kann?

Lösung

Die wirtschaftlich Handelnden versuchen, die Lösung des Problems in der Produktionssphäre zu finden. Sowohl Kapitalismusvertreter als auch ihre Kritiker von den Gewerkschaftlern bis zu den Sozialisten klammern sich dabei an den Antagonismus zwischen Arbeitgebern (Produktionsmittelbesitzer) und Arbeitnehmern (die eigentl. Ihre Arbeit geben). Die einen preisen die Rendite (den Profit) als Menschheitsbeglücker und Naturereignis, die anderen verdammen die Profitgier. Die einen fordern Entlastung auf der Angebotsseite (Neoliberalismus), die anderen Stärkung der Nachfrage (Keynes).

Beide bemerken nicht, wie das Finanzkapital ihnen diese Bedingungen mit der Formel, aus Geld mehr Geld zu machen ( Geld – Ware – Geld + M ehr Geld), diktiert. Sie merken gar nicht, vor allem die Unternehmer des Mittelstandes nicht, dass beide, Unternehmer und Arbeitnehmer, im gleichen Boot sitzen. Sie lamentieren über die Schulden des Staates und vergessen die eigene Schuldenlast. Der Staat hat sich aus der Verantwortung für die Zirkulationsphase (Geldstabilität) zurückgezogen und sie der Notenbank übertragen, die mit ungenügend wirksamen Instrumenten verzweifelt versucht, die Geldmenge und Geldumlaufgeschwindigkeit im Sinne einer Stabilität zu regulieren.

Sie alle ignorieren die Probleme in der Zirkulationsphase.

Diese Ignoranz aber, in der Zirkulationssphäre ein systemimmanentes Problem zu sehen, verhindert die Lösungsfindung

Man vergegenwärtige sich noch einmal die Vor – und Nachteile des Geldes und des damit verbunden Zinses für eine Volkswirtschaft:

Geld steht für einen unvollendeten Tauschvorgang

Vorteil: Transportfunktion

· Die Geldwirtschaft ist die Basis für eine moderne arbeitsteilige Wirtschaft und die Voraussetzung für wirtschaftlichen Fortschritt. Die Aufgabe des Geldes (= Bargeld + Giralgeld) ist es, Tauschvorgänge räumlich und zeitlich aufzubrechen.

· In einer fortgeschrittenen Geldwirtschaft haben dabei die Schulden (Kredite) und die spiegelbildlich entstehenden Geldguthaben (=Forderung auf Geld) die Funktion, diese Tauschvorgänge langfristig aufzubrechen, d.h. sie sind Voraussetzungen für die Möglichkeit von Investitionen.

· Wie Geld den Warenkreislauf beschleunigt, beschleunigen die Schulden/ Geldguthabenverhältnisse den Geldkreislauf.

Vorteil: Wertaufbewahrungsfunktion: Geld kann wegen seiner in Relation zu anderen Waren großen Dauerhaftigkeit zur Wertaufbewahrung benutzt werden.

Nachteil: Das Geld, als Wertaufbewahrung benutzt, wird dem Wirtschaftskreislauf entzogen . Diese Zurückhaltung hemmt diesen Kreislauf bis zum Zusammenbruch.

Zins ist die Forderung nach mehr Geld. Es muss zwischen Haben- und Sollzinsen unterschieden werden.

Habenzinsen:

· erwünschte Funktion die Aufrechterhaltung des Geldkreislaufes. Der Habenzins ist der Anreiz dafür, dass Geld, wenn es nicht durch Kaufvorgänge weitergegeben wird, durch Verleihen in den Geldreislauf kommt und somit diesem NICHT durch Hortung ("Halten von Realkassa") entzogen wird.

· unerwünschte Funktion: Positive Habenzinsen führen zu positiven Rückkopplung, exponentiellen Wachstum und damit langfristig zwingend zu Destabilisierung von Ökonomie, Politik, Ökologie und Sozialbereich. (HAUPTPROBLEM!)

Sollzinsen:

· erwünschte Funktion: sparsamer Umgang mit knappen Ressourcen. Gäbe es keine Sollzinsen, würde sich Jedermann u.U. beliebig viel Geld ausleihen oder es müsste die Kreditverteilung unter Ausschaltung eines Marktes rationiert werden.

· unerwünschte Funktion: wegen der Abzinsung künftiger Geldflüsse entsteht eine systematische Abwertung der Zukunft, mit sich daraus ergebenden Problemen für die Ökologie und für den schonenden Umgang mit Ressourcen.

Deswegen kann die Lösung des Problems nur in einer derartigen Modifizierung des Geldsystems liegen, dass die erwünschten Funktionen erhalten bleiben und die unerwünschten Auswirkungen vermieden werden.

Hier muss der Diskurs geführt werden!

Eine langfristig wirksame und nachhaltige Therapie kann nur in Maßnahmen liegen, die verhindern, dass Guthaben und Kapitaleinkommen rascher wachsen als das BSP, dass also insgesamt durch Besitz von knappen gesellschaftlich nötigen Gütern, im großen Stil leistungsloses Einkommen erzielt wird.

Das kann sein:

  • eine Besteuerung der Kapitalvermögen
  • eine Besteuerung von Kapitalerträgen
  • eine Besteuerung liquider Mittel
  • Steuern in der Art der Tobin‑Steuer, bzw. Besteuerung von Finanztransfer)
  • periodischer Schuldenerlass, vor allem beim Staat (dazu s. 8)

Anmerkungen und Literaturzitate

(1): D. Suhr: Der Kapitalismus als monetäres System, Campus Verlag 1988, S. 15:

.... Vielmehr lässt .. sich die unterschiedliche Machtposition (d. Verf.) schon in jedem einzelnen, kleinen Geschäft mit Geld und Ware beobachten, in dem sich der geldbesitzende Käufer und der Verkäufer eigener Ware oder Arbeit gegenüberstehen. In allen diesen Geschäften zeigt sich eine Asymmetrie. (Suhr 1983, S. 22ff.; Suhr/Godschalk 1986, S.28ff.) Sie hängt zusammen mit zwei Geldeigenschaften: Erstens mit der optimalen Tauschbarkeit des Geldes, die von seiner allgemeinen Äquivalentform herrührt, zweitens damit, dass es dem Geldbesitzer als "Schatzbildner" freisteht, sein Geld nicht als Käufer auszugeben, sondern zurückzuhalten ("naive" Schatzbildung) oder Kapitalzwecken zu widmen (kapitalistische "Schatzbildung" mit Mehrwertgenerierung)........

An die Stelle des "identischen" und symmetrischen Austauschprozesses der Tauschwirtschaft tritt die asymmetrische Struktur von Verkauf und Kauf: Der Käufer kann kaufen wann er will, und er braucht nicht unmittelbar zu kaufen, wenn er selbst verkauft hat. Der Verkäufer aber bleibt auf seiner Arbeitskraft oder Ware sitzen, wenn und solange es dem Geldbesitzer beliebt, nicht oder noch nicht zu kaufen. Wer aber seine Arbeit oder Ware nicht loswird, weil er dabei vom Kaufwillen der Geldbesitzer abhängt, - wer insbesondere seine eigene Arbeit nicht als Ware verkaufen kann, der kann anschließend auch nicht als Käufer auftreten: der kann sich nicht die Lebensmittel und Produktionsmittel besorgen, deren er bedarf, um zu leben, zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren................

Diese Macht des Geldes ist nicht die Macht des Verkäufers, der unbewegliche Ware oder Arbeit bietet, sondern die des Käufers, der das bewegliche Geld in der Hand hat. Und sie ist die Macht des Geldgebers, der mit dem Geld über die Macht verfügt, andere zu Verkäufern zu machen. Wer innerhalb der Gesellschaft reich ist, der kann sich typischerweise in die Rolle des Geldbesitzers und Käufers begeben. Wer dagegen sieht sich typischerweise immer wieder auf die Rolle des Verkäufers verwiesen? Die Antwort ist einfach: Wer von seiner Arbeit leben muss, der muss seine Arbeit als Ware verkaufen, hat also die schlechtere Waren-Karte des Wirtschaftsspiels in der Hand. Wer dagegen irgendwelche seiner Güter nicht selbst gebrauchen muss, der kann sie versilbern und zu Geld machen: Dann hat er Anteil am "gesellschaftlichen Monopol" des "allgemeinen Äquivalents" Geld , vermittels dessen die "gesellschaftliche Macht" "Privatmacht" wird. Wenn es richtig ist, dass keiner verkaufen kann, ohne dass einer kauft, aber keiner kaufen muss, nur weil er schon verkauft hat: dann sitzt der Käufer mit seinem Geld in der Tat am längeren Hebel, - dann ist denkbar, dass er die Situation ausnutzen kann, um mehr als ein Äquivalent herauszuschlagen, - dann ist denkbar, dass der Verkäufer der Ware "Arbeitskraft" weniger als ein Äquivalent bekommt. Denn wer am längeren Hebel sitzt, kann mehr Druck ausüben. Er hat die größere Verhandlungsmacht, während der andere unter Verhandlungsdruck gerät. So kommt ein ungleiches Geschäft zustande, bei dem der Geldbesitzer einen Preis heraushandeln kann, der den Preis unter Gleichgewichtsbedingungen übersteigt.

(2): Zur Erklärung und Verteidigung der Forderung nach Zins wird häufig angeführt, dass ja auch Leihfirmen von Maschinen Miete fordern. Der Vorteil von Geldbesitzern gegenüber diesen Maschinenbesitzern besteht darin, dass Geldbesitz kaum der Abschreibung und Abnutzung unterliegt. Außerdem ist Geld universell einsetzbar und der Bedarf danach hängt nicht von speziellen Verwertungswünschen ab, wie etw. beim Rasenmähen.

(3): D. Suhr, ebenda

„.......Wer die Zirkulation stört, der liefert negative Beiträge zur Produktion der Liquidität. Das kann man auch so ausdrücken: Er verursacht gesellschaftliche Kosten. Während also der Kassehalter den Nutzen der Liquidität genießt, produziert er zugleich Kosten für die anderen, und zwar in der Gestalt, dass er ihnen das ökonomisch erforderliche Zirkulationsmittel verknappt. Wenn nun die anderen Wirtschaftsteilnehmer Informations- und Transaktionskosten dadurch sparen wollen, dass sie das Transaktionsmittel "Geld" verwenden, dessen Liquidität sie selbst produzieren, so müssen sie den Geldanleger dafür bezahlen, dass er von seiner Sabotage des Zirkulationssystems ablässt. Die Kosten, die diese Sabotagekompetenz der Geldanleger verursacht, tragen wiederum die Produzenten und Konsumenten, die ohne Geld nicht effektiv und "schlagfertig" verkaufen und kaufen können. Es kommt aber noch etwas hinzu: Die mit der Liquidität verbundenen Kosten werden nicht gleichmäßig auf alle verteilt, die das Geld für ihre Transaktionszwecke als Konsumenten und Produzenten gebrauchen. Ganz im Gegenteil: Je wohlhabender solche Konsumenten und Produzenten schon sind, - je weniger sie also auf Kreditweise Vorfinanzierung ihrer Produktionsmittel (Fremdkapital) oder ihres Konsums (Konsumentenkredite) angewiesen sind, desto weniger Zinsen kommen auf sie zu. Je ärmer sie aber sind, je stärker sie also ihre Produktion oder gar ihren Konsum auf Kredit finanzieren müssen, desto mehr bekommen sie mit Krediten zu tun, desto mehr Zinsen haben sie zu tragen.“
So nahmen 1990 in der BRD 10% der Bevölkerung mehr Zinsen ein als sie hauptsächlich über die Preise zahlten und 80% zahlten mehr Zinsen als sie nahmen. Profiteure dieses Zinssystems sind mit ihrer Zinsmarge auch das Banksystem, da die Zinsmarge ein Teil des Zinses ist, der genauso wie jener einen Zinseszinseffekt hat.

(4): Genauer: Das Geld strömt dorthin, wo kein Bedarf ist, wird entweder zu Spekulationszwecken zurückgehalten oder in eine Forderung + leistungslos Zinsforderung an Schuldner umgewandelt, die es u. U. in den Zirkulationsprozess zurückführen.

(5): Quelle: H. Creutz, Das Geldsyndrom, 5. Auflg. 2001, Econ-Verlag

(6): Wie kommt es zu diesem riesigen Geldvermögen?

Bestimmt man aus den empirischen Daten von 1960 bis 2001 die Wachstumskurve des nominellen Geldvermögens, so ergibt sich die Form einer Exponentialkurve nach der Funktion

K = K0 (1 + z)t (Zinseszinsformel; Z = Zinsfuß/100) bzw. K = K0 ec t mit c = ln (1 + z)

Anmerkung: Trägt man die Daten in einem logarithmischen Maßstab auf, so ergibt sich eine Gerade, ein Beweis dafür, dass die ursprüngliche Funktion eine Exponentialfunktion ist. Log (1 + z ) wäre die Steigung der Geraden.

Danach betrug die jährliche Zuwachsrate dieser Kurve ca. 9 %: Dies kann so interpretiert werden, dass das Geldvermögen nach der Zinseszinsformel mit einem Zins von ca. 9 % gewachsen ist.

Mit anderen Worten das Geldvermögen von 6 Billionen Euro ist durch die Zinsdynamik, also durch leistungsloses Einkommen entstanden.

Demgegenüber besteht die gängige Auffassung darin, dass Geldvermögen aufgrund von Sparen des durch eigene Leistung verdienten Geldes entsteht. Die Sparsumme der privaten Haushalte betrug im Jahre 2001 138 Mrd. Euro (lt. Stat. Bundesamt), das sind nur ca. 2% des Geldvermögens. Es darf deswegen bezweifelt werden, dass Sparen das Wachstum des Geldvermögens von ca. 9% hervorruft.

In einer abgeschlossenen Geldwirtschaft führt die Zinsdynamik gesamtwirtschaftlich notwendigerweise zu einem Wachstum der Schulden und damit des Geldvermögens der Gläubiger1. Dieses Wachstum könnte nur verhindert werden, wenn der Gesamtgläubiger die Leistung, die der Gesamtschuldner zur Bezahlung der Zinsen aufbringt, im Austausch von Geld abnehmen würde. Da der Gesamtgläubiger aber keinen Bedarf für die angebotene Leistung hat, verbleibt der Zins als Schuld beim Gesamtschuldner und erhöht so das Geldguthaben bzw. Geldvermögen des Gläubigers 1.

In der Realität ist die Geldwirtschaft so angelegt, dass in der Gesamtwirtschaft das Geld, das zur Deckung der (durch den Zins) zusätzlichen Leistung notwendig ist, von der Zentralbank hauptsächlich über Kredite in Umlauf gebracht wird.

Übrigens: Die Zentralbank bzw. der Staat könnte dieses Wachstum stoppen, indem sie das Geldvermögen durch eine Währungsreform auf die Größe der gesamtwirtschaftlichen Leistung, nämlich des BIP reduzieren würde. Diese Möglichkeit erscheint als extrem unwahrscheinlich, wurde aber in der Vergangenheit z.B. der Währungsreform nach dem zweiten Weltkrieg realisiert. Im Mittelalter war die Einrichtung der Brakteaten ein Beispiel für das Prinzip der regelmäßigen Entwertung des Geldes.

1 2. Hauptsatz der Volkswirtschaftslehre in E. Glötzl: Die Krise einer alternden Volkswirtschaft, Linz, Sept. 2001

(7) Kapitalistische Eigentumsformen als Folge kapitalistischen Geldes.

Der Geldkapitalist verfügt aber nicht nur über das Mittel, sich den Mehr- wert in Gestalt der Zinsen auszubedingen. Er sitzt auch am längeren Hebel, wenn es darum geht, als Geldgeber mit einem Unternehmer über die Bedingungen einer Beteiligung zu sprechen. Er kann sich Entscheidungsrechte vorbehalten, die er nicht ohne weiteres durchsetzen könnte, hätten Geldgeber nicht die Macht, dem Unternehmer das Medium der ökonomischen Kommunikation zu überlassen oder eben auch vorzuenthalten. Er kann weitgehend die Bedingungen vorschreiben, denen die anderen sich fügen müssen, bevor er ihnen das lebensnotwendige Transaktionsmedium zur Verfügung stellt. Zu diesen Bedingungen, die der Kapitalist sich als Geldgeber ausbedingen kann, gehört nicht nur, dass man Zinsen zahlen muss, wenn man sich Geld leiht. Dazu gehört auch, dass ein Kapitalgeber, der sich mit Produzenten zusammentut, um etwas zu produzieren, die besseren Karten in der Hand hat und die Spielregeln bestimmen kann, nach denen das Spiel "Produktion" in Unternehmen gespielt wird. Die "Spielregeln" der Produktion, - das sind die "Produktionsverhältnisse" einschließlich der eigentumsrechtlich ausgeformten Dispositionsbefugnisse des Kapitals im Unternehmen. Das bedeutet vor allem die Produktion von Waren unter dem Diktat der Profitmaximierung (G – W – Produktion – W‘ – G+ MG ). Dabei ist der Zins nicht bloß eine Erscheinung des Profits. Er unterscheidet sich von diesem in besonderen Maße: (1) Der Zins wird zuerst ausgehandelt, erst dann wird das Geld unter Risikominimierung (Sicherheiten) verliehen. Um einen Gewinn, der immer mit einem Risiko behaftet ist, zu erzielen, muss vorher Geld ausgeliehen und investiert werden. (2) Der Zins kann im Gegensatz zum Profit weder theoretisch noch praktisch auf Null fallen. (3) Die Summe aller Zinsen nimmt proportional mit den Investitionen und der Kapitalmasse zu. Die Summe aller Gewinne geht in dieser Hinsicht relativ zurück (Tendenzielle Fall der Profitrate) Es überrascht also überhaupt nicht, dass unter den Bedingungen des kapitalistischen Geldes sich Eigentumsformen herausgebildet haben und gesetzlich kodifiziert bzw. anerkannt wurden, bei denen der Kapitalgeber das letzte Wort hat.

(8) G:.Simon, Schwungrad der Finanzkrise, in FraRundsch, 4.12.03, 2003, URL: http://www.fr-aktuell.de/uebersicht/alle_dossiers/politik_inland/die_alternative/die_woche_des_geldes/?cnt=351558)

Goetz Werner: Einkommen für alle?

Kritik an dem Modell von Götz Werner „Einkommen für alle“

(Bedingungsloses Grundeinkommen, BGE)

Das Besondere am Werner-Modell ist der Vorschlag, das Grundeinkommen aus der Konsumsteuer zu finanzieren, bei gleichzeitigem Wegfall aller auf Einkommen und Erträgen erhobenen Steuern.

Was passiert mit einer Volkswirtschaft, wenn das Einkommen bzw. die Erträge aus der Produktion

( dank der von Werner viel beschworenen durch Investition erzeugten Rationalisierung )

auf immer weniger Schultern verteilt wird?

Werner verkennt, wie unser Geldsystem funktioniert:

Geld wird im Prinzip über Schulden für Unternehmen und den Staat in das Wirtschaftssystem eingespeist. Letztlich bezahlen die Unternehmer damit Lohn- und Kapitalkosten an die in den Produktionsprozess eingebundenen. Über den Konsum (Abnahme von Waren = Entnahme von Leistungen) erreicht das Geld wieder die Unternehmen, die damit die Schulden und Schuldenkosten bedienen können. Die ist der Wirtschaftskreislauf: Geld fließt in die eine Richtung, Leistungen in die andere.

Wenn aber die Zahl der Abnehmer in diesem Kreisprozess schwindet, immer mehr aus dem Produktionsprozess herausfallen, wer nimmt dann die Waren ab, so dass der Unternehmer seine Kosten begleichen und seinen Profit in Geld realisieren kann?

Die Lösung von Werner besteht darin, dass alle ein Grundeinkommen erhalten, mit dem dieser Überhang an Leistungen vom Markt abgeräumt wird. Doch woher kommt das Geld für das Grundeinkommen derjenigen, die aus dem Produktionsprozess herausgefallen sind? Aus der Besteuerung ihres eigenen Konsums? Dies ist so, als wolle sich Münchhausen an seinem eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen. Es kann auch nicht aus der Konsumsteuer der im Produktionsprozess eingebundenen kommen, da diese dann weniger Waren abnehmen würden (s. Ergänzung, Berechnung)

  1. Realistischerweise muss jemand für dieses Grundeinkommen als Vorschuss Schulden aufnehmen, z.B. der Staat. Durch den Konsum werden dann zwar die ursprünglichen Schulden zurückgeführt, aber es bleibt ein Teil stehen, der durch die fälligen Zinsen erwachsen ist. Das Geldvermögen der Geldbesitzer steigt. Die Volkswirtschaft geht in die Schuldenfalle. (Schon jetzt existieren in Deutschland 6 Billionen € Schulden, denen die gleich große Summe von Geldvermögen gegenüber stehen. Etwa 70 % dieser Schulden fallen auf die Unternehmen und 25 % auf den Staat).
  2. Oder die Geldbesitzer werden zur Kasse gebeten, bzw. besteuert, auch alle jene, die aufgrund von Besitz leistungsloses Einkommen beziehen, sowie jene, deren Einkommensgröße jenseits einer angemessenen Leistungsrelation liegt (die Ackermanns).
  3. Oder die Waren bleiben liegen, die entsprechenden Firmen gehen Pleite, die Volkswirtschaft schrumpft. Es kommt zu den bekannten Konjunkturtälern bis hin zum Zusammenbruch des Wirtschaftssystems (Argentinien).

Letztlich wird man nicht vermeiden können, die Verteilungsfrage zu stellen, um das Grundeinkommen dazu zu benutzen, die Masse der Leistungsträger – die arbeitsfähige Bevölkerung – am Produktivitätsfortschritt der Volkswirtschaft zu beteiligen (Fall 2). Daran wird man die Modelle zum Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) messen müssen.


Ergänzungen

Argument für eine Konsumsteuer (Werner-Modell)

Das Hauptargument für eine Konsumsteuer hört sich im Buch von Götz Werner „Einkommen für alle“ wie folgt an (die Zahlen der zitierten Stellen beziehen sich auf Seiten dieses Buches):

Geld sei eine Art Depot für zukünftige Gegenleistungen. Es hat jemand etwas geleistet, ihm fehlt noch die Gegenleistung – dies wird durch den Erhalt von Geld, Einkommen/ Ertrag, vermerkt. Die gesellschaftliche Wertschöpfung von Leistung und Gegenleistung ist erst bei der Leistungsentnahme durch einen Kauf mit diesem Geld abgeschlossen. Wird nun das Einkommen, bzw. der Ertrag besteuert, belastet man also den Leistungsbeitrag, so lähmt das die Bereitwilligkeit für solche Leistungen. Eine Besteuerung der Leistungsentnahme – die Konsumsteuer - würde bereitwilliger hingenommen. Im Vergleich zur Einkommensteuer wäre sie unbürokratischer, umweltfreundlicher, leichter zu differenzieren und gerechter zu gestalten, wobei die Reichen bei Luxusgütern belastet und die Masse der Bevölkerung durch geringe Besteuerung des täglichen Bedarfes entlastet werden könnten.

Trotz richtiger Ansätze über den Charakter des Geldsystems, über die Notwendigkeit eines sozialen Ausgleiches („Die „starken Schultern<<>>oben<<>>unten<<>“, 212)), verkennt er die Dynamik unseres Geld- und Kapitalsystems. Er hat als Unternehmer im wesentlichen eine betriebswirtschaftliche Sichtweise. Er sieht zwar, dass die wirtschaftlichen Werte letztlich aus menschlicher Leistung und Arbeit entspringen ( „Die wohl effektivste Form gebündelter, sozial organisierter menschlicher Leistung, ist das unternehmerische Kapital“ 178, oder „Reale Werte entstehen nur in der Produktion oder durch nützliche Dienstleistungen“, 156 oder „Versteht man Wirtschaft so als einen permanenten Prozess des Füreinanderleistens..“ . 177) dennoch behandelt er Kapitalertrag und Arbeitseinkommen gleichwertig ( „Mit dem Grundeinkommen lassen wir die Menschen arbeiten.... . Mit der Konsumbesteuerung lassen wir das Kapital in Ruhe arbeiten.“ 178). Als Unternehmer kann er sich hier von der betriebswirtschaftlichen Sichtweise nicht lösen. Im Betrieb sind Kapitalertrag, Kapitalbeschaffung und Arbeitseinkommen gleichwertige Kostenfaktoren, insofern Kosten der Produktion (wobei das Kapital etwas bevorzugt, da bei Konkurs bevorzugt zu bedienen ist). Deswegen die gängige Vorstellung, dass Kapital und Arbeit Produktionsfaktoren seien.

Das Werner-Modell - gesellschaftliche Hintergrund seine Analyse

In seinem Buch „Einkommen für alle“ liefert Werner sehr einsichtige Argumente für die Notwendigkeit eines Grundeinkommens. Zunächst räumt er mit dem Mythos auf, dass Wirtschaftwachstum notwendigerweise Arbeitsplätze schafft. Leider geht er nicht darauf ein, dass die gängige Definition von Wirtschaftswachstum als prozentuales Wachstum des bestehenden Volumens, so nicht funktionieren kann, da es zu einem exponentiellen Wachstum führt. Exponentielles Wachstum kann kein reales Wirtschaftssystem dieser Welt leisten. In der Natur kommt es als parasitäres Wachstum vor, das regelmäßig seine eigene Existenzgrundlage zerstört.

Dann bekennt er sich zur gesellschaftlichen Abhängigkeit aller individuellen Leistung (177). Er wendet sich deswegen gegen die einseitige Aneignung dieser gemeinschaftlich erzeugten Werte und stellt konsequenterweise die Verteilungsfrage. Ein extremes Ungleichgewicht in der Verteilung volkswirtschaftlicher Leistung führt zur Wirtschaftskrise. Dagegen setzt er die Vision der Partizipation aller am Produktivitätsfortschritt und die Befreiung von der Fessel der Fronarbeit.

Sehr gut beschreibt er auch die Funktion des Geldes <<als Schmiermittel für die Erzeugung und den Austausch von Produkten und Dienstleistungen>>(55), das sehr leicht zu lagern und zu transferieren, verleihen und verzinsen ist. Es sei ein <<Irrtum, dass Geld einen Wert an sich habe. Grundsätzlich wird im reinen Geldverkehr ja tatsächlich überhaupt nichts geschaffen. Reale Werte entstehen nur in der Produktion oder durch nützliche Dienstleistungen>> (156). Sehr richtig wird die Funktion von Unternehmen in einem Geld- und dazu gegenläufigen Güterkreislauf beschrieben: Unternehmen << versorgen die Menschen mit Geld....Verfolgt man die Wertschöpfung eines jeden Unternehmens.. rückwärts, dann löst sich ihr gesamtes eingesetztes Kapital ..in Einkommen auf. (176) <<die Aufgabe von Unternehmen ist es, die Menschen mit Gütern und Dienstleistungen und andererseits mit Einkommen zu versorgen>> Zentral ist seine Einteilung von realem Einkommen, << das, was man tatsächlich verbraucht>> (53) und dadurch von anderen als Verbrauchsgüter bezieht, sowie nominales Einkommen (Geld), das man erhält, indem man Leistungen für andere aufbringt. << Der Drang nach Realeinkommen hat Schranken, denn die natürlichen Bedürfnisse des Menschen sind begrenzt. Dagegen scheint der Drang nach Nominaleinkommen, die Geldgier, grenzenlos zu sein.>> (153) << Das Kapital scheint sich also nur für den eigenen Hunger zu interessieren. Nachhaltigkeit ist ihm fremd>> (159)Er sieht in unserem Wirtschaftssystem vier sog. Kardinalsünden: <<Die erste besteht darin, dass wir Geld wie eine Ware betrachten, die zweite ...Grund und Boden ....,die dritte.... Unternehmen..., und die vierte ...Arbeit>> (163). Die Verbindung von Geld – Kapital – und Produktion beschreibt er wie folgt:

<< Die Akkumulation von Geld, also die Kapitalbildung, erweitert die Möglichkeiten, etwas für andere zu produzieren beziehungsweise zu leisten. Und schon allein, weil der Unternehmer dabei sein eingesetztes Kapital – das ja meist mehr Fremd- als Eigenkapital ist – verzinsen muss, braucht er den „Profit“ >>.“ (154)


Berechnung des Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE) nach Werner

Annahmen

  • Ich nehme einen volkswirtschaftlichen Warenaustausch (BIP) von 100 Wareneinheiten (WE) an.
  • Zur Produktion dieser WE sollen vorgeschossene Kosten von 2000 Geldeinheit (GE) entstehen, die von den im Produktionsprozess Eingebundenen (LE) als Einnahmen (Einkommen) verbucht werden.
  • Die 100 WE stehen bei ca. 29% Mehrwertsteuer (Konsumsteueranteil für BGE) zu 2817 GE zum Verkauf zur Verfügung. Das BIP beträgt dann 2817 GE.

Konsumsteuer-Modell

  • Die LE können mit ihren Einnahmen von 2000 GE einen Anteil von 71 WE abnehmen (100x2000/2817 ~ 71). 580 GE sind davon KONSUMSTEUER: Mit den restlichen 1420 GE kann der Unternehmer einen Teil der vorgeschossenen Kosten begleichen. Für den gesamten Vorschuss muss er Zinsen zahlen.
  • Die restlichen 29 WE werden nun wie folgt abgenommen:
  • Zum Erwerb dieser 29 WE müssen ca. 817 GE durch das BGE abgenommen werden, das ist der Gesamtbetrag der Mehrwertsteuer, 29 % von 2812. Für dieses BGE hat der Staat schon 580 GE durch den LE-Konsum eingenommen.
  • Er muss noch 237 GE vorschießen, für die der Staat bei einem Zinssatz von 5% p.a. ein Summe von ca. 12 GE im Jahr zahlen muss.
  • 817 GE (580 + 237) werden nun auf die gesamte Bevölkerung als BGE verteilt, die damit die restlichen 29 WE abnehmen. 237 GE sind davon Konsumsteuern, mit denen der Staat seinen Vorschuss tilgen kann. Mit den restlichen 580 GE kann der Unternehmer den letzten Anteil seiner vorgeschossenen Kosten begleichen.

Beispiel 2004:

  • Das BIP beträgt 2200 Mrd. €. Das zu verteilende BGE beträgt 638 Mrd. € (2200 x 0,29). Das vom Staat vorzuschießende BGE beträgt 185 Mrd. € ( 638 x 0,29 ). Der Staat muss dafür 9 Mrd. € an Zinsen tragen (5% Zinssatz). Bei 80 Mill. Einwohnern erhält jeder 7975 € im Jahr, das sind 665 € im Monat. Eine 4-köpfige Familie erhält dann 2658 € im Monat.

Einkommensteuer-Modell

  • Die zur Produktion von Waren vorgeschossenen Kosten über 2000 GE stehen den LE als Einkommen bzw. Ertrag zur Verfügung.
  • Die Mehrwertsteuer wird nicht erhoben , sondern eine Einkommen - bzw. Ertragssteuer von 29%.
  • Die LE haben bei einer Einkommensteuer von 29% nur 1420 GE übrig, die sie zum Kauf ihres Warenanteils (71 WE) verwenden.
  • Die vom Staat eingenommenen 580 € Einkommensteuer werden als BGE an alle verteilt und damit die restlichen Waren (29 WE) vom Markt geräumt.
  • Der Unternehmer kann seine vorgeschossenen Kosten begleichen. Für den Vorschuss musste er Zinsen zahlen.

Einkommensteuer contra Konsumsteuer

· Der Staat zahlt keine Zinsen.

· Die Kaufkraft bei dem einkommensteuerfinanzierten ist stärker als bei dem konsumsteuerfinanzierten BGE, denn die LE erhalten für 1420 GE bei dem einkommensteuerfinanzierten Modell dieselben Leistungen wie mit 2000 GE bei dem Konsumsteuermodell. Dieselben Überlegungen gelten für die BGE-Ausgaben.

· Letztlich profitieren nur die Geldbesitzer bei dem Konsumsteuermodell à la Werner, weil sie Zinsen erhalten.